Die Diskussion zum Volksentscheid zum Minarettverbot in der Schweiz lässt mir keine Ruhe (s. hier und hier). Es ist schließlich in vielerlei Hinsicht ein interessantes Thema, da es viele Nebenschauplätze aufmacht: Islamphobie, Sinn und Gefahr von direkter Demokratie, Religionsfreiheit, Offenheit der Schweiz, Völkerrecht und empirische Sozialforschung.

Das letztgenannte interessiert mich jetzt besonders, denn die Umfragen zu potentiellen Abstimmverhalten der deutschen Bevölkerung werden immer mehr (s. welt.de, zeit.de). Und immer wieder wird erwähnt, dass die vorhergehenden Umfragen in der Schweiz ein Meinungsbild zeichneten, welches im Endeffekt nicht dem Abstimmungsergebnis entsprach – und das obwohl sie repräsentativ gewesen sein sollen. Continue Reading »

Als meinen vorraussichtlich letzten Akt für den Studentenbeirat Ilmenau habe ich soeben eine weiterführende Analyse der Umfrage zum Studentischen Leben in Ilmenau von 2007 fertig gestellt.
Wesentliche Ergebnisse der Studie sind in der Pressemitteilung des Stubras zusammengefasst:

Aufgrund allgemeinen Interesses und anhaltender Relevanz der Einschätzung des studentischen Lebens in Ilmenau, wurde eine zweite, weiterführende Auswertung der Umfrage zum studentischen Leben in Ilmenau von 2007 durchgeführt.
Die Ergebnisse dieser Auswertung zeigen unter anderem, dass Studierende, welche ihre Freizeit überwiegend in ihrem Zimmer verbringen, sich mehr langweilen und unzufriedener sind.
Im Gegensatz dazu kennen Studierende, die angaben, sich regelmäßig in einem Verein zu engagieren, mehr Freizeiteinrichtungen, bewerten diese besser, langweilen sich weniger und sind zufriedener mit ihrer Lebenssituation.
Aufgrund dieser Ergebnisse rät der Studentenbeirat allen Studierenden sich in einem Verein zu engagieren, wenn sie es nicht bereits tun. Durch ein solches Engagement steigt die Wahrscheinlichkeit zufriedener zu werden signifikant an.

Eine Übersicht über einige Vereine an der TU Ilmenau gibt es hier:

Vereine der TU Ilmenau bei dmoz

oder in Form des Taschenkalenders “Irrlicht” beim Stura der TU Ilmenau.

Download: Umfrage zum Studentischen Leben in Ilmenau – weiterführende Analyse

Und wieder werden irgenwelche statistischen Werte miteinander verglichen, die man nicht einfach so vergleichen darf.

Diesmal findet sich ein solcher Fehler bei einer dpa-Meldung in einem Artikel auf fr-online, welcher über die Anteile von Senioren bei Unfällen im Straßenverkehr berichtet. Und zwar heißt es dort:

“[...] ältere Verkehrsteilnehmer [sind] nicht häufiger Unfallverursacher als Fahrer jüngeren Alters.[...] Rund ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland sei heute über 65. Aber weniger als 11 Prozent aller Unfälle würden durch Senioren verursacht.”

Vergleicht man den Anteil von Kleinkindern an der Bevölkerung mit dem Anteil von Unfallverursachern am Steuer, welche im Kleinkindalter sind, so wird man ebenso feststellen, dass Kleinkinder sehr selten Unfallverursacher sind. Sind sie deswegen gute Autofahrer? Sicher nicht!

Man kann nämlich nicht den Bevölkungsanteil als Argument heranziehen, sondern man muss den Anteil der aktiven Fahrer in einem bestimmten Alter im Vergleich zur Gesamtzahl der Menschen in diesem Alter berücksichtigen. Es ist doch vollkommen logisch, dass 25-Jährige mehr Unfälle als 75-Jährige verursachen, wenn ihr Anteil an Kraftfahrzeugführern größer ist.
Nur wenn die Verteilung der Altersgruppen bei den Kraftfahrzeugführern mit der Verteilung in der Gesamtbevölkerung übereinstimmt, wäre der Vergleich mit der Unfallstatistik zulässig.

Alles andere ist Milchmädchenrechnerei.

Nach dem kleinen Statistik-Exkurs aus meinem letzten Blog-Eintrag möchte ich auf einen interessanten Beitrag von Zapp verweisen, der sehr schön darlegt, dass man nicht jeder Umfrage trauen darf:

Absurde Umfragen – Wie Medien Aufsehen erregen

Ein Leserbrief: 

Mit Interesse las ich den Artikel „Das verschmähte Paradies“ (Seite 21) von Christian Fuchs über west- und ostdeutsche Studierende und die Wahl ihres Studienortes in der Ausgabe September/Oktober 2008 von „Zeit Campus“.

Leider fiel mir in dem besagten Artikel ein eklatanter Fehler auf, weshalb ich es für nötig halte, sie darauf aufmerksam zu machen. Und zwar wird dort, mit Bezug auf eine Studie der HIS Hochschul-Informations-System GmbH, erwähnt, dass den 22% der ostdeutschen Studenten, die in einem westdeutschen Bundesland studieren, nur 4% westdeutscher Studenten, welche in einem ostdeutschen Bundesland studieren, gegenüberstehen. Diese Zahlen wurden in dem Artikel als Anzeichen gewertet, dass westdeutsche Universitäten beliebter seien als ostdeutsche.

Ich bin jedoch der Meinung, dass man diese Zahlen nicht auf diese Art interpretieren darf. Continue Reading »