Es hatte mich sehr gefreut, dass man nach den vielen Jahren des Kampfes um den Wiederaufbau des Potsdamer Stadtschlosses nun eine angemessene Lösung gefunden zu haben schien. Sowohl Finanzierung als auch sinnvolle Nutzung und die verträgliche Einbindung in die bestehende Infrastruktur erschien gelöst und der Stadtentwicklung zuträglich.

Mit Erschrecken musste ich bei meinem letzten Potsdambesuch jedoch feststellen, was sich nun für ideologische Untiefen auftun und man meiner Geburtsstadt das letzte großstädtische nehmen möchte.
Was man wohl in den Brandenburger Provinz über darüber denkt? Während man in Cottbus gegen die Zusammenlegung von TU und FH kämpft, wird in der Landeshauptstadt der Abriss eines intakten Hauses diskutiert. Zumindest für ein 4-Sterne Hotel scheint es ja gut genug zu sein. Aber es entspricht nicht dem ästhetischem Empfinden einiger Menschen, die sich wohl in der Nachfolge von Lenné und Knobelsdorff und Co. betrachten?

Von dieser “tristen DDR-Architektur” findet man in Köln übrigens an jeder zweiten Ecke ein Beispiel. Denn wer hätte es gedacht: es ist auch eine direkte Folge der zu Recht verlorenen Weltkriege und hat mit DDR erst mal nichts zu tun.
Ich kann nur hoffen, dass man in Potsdam eine weise Entscheidung treffen wird.
Mit Gruß aus Köln

Ein Unionspolitiker (leider Namen nicht mitbekommen)  erklärt im Interview mit einer ARD-Reporterin seine Auffassung von Wahlfreiheit, womit er das Scheitern von Wulff im ersten und zweiten Wahlgang erklären möchte:

“Die Wahl ist frei und geheim. Jeder Wahlmann und jede Wahlfrau der Koalition kann frei entscheiden, ob er sich enthält, für Wulff oder für Gauck stimmt.”

Dazu sei erwähnt, dass im ersten und zweiten Wahlgang insgesamt vier Kandidatinnen zur Wahl standen. Es gab also fünf Wahlmöglichkeiten.  Die Wahlfreiheit in der schwarzgelden Koalition beträgt nach Auffassung dieses Politikers demnach nur 60%.

Sigmar Gabriel und ein weiterer SPD-Politiker betonen die Chance für die Linkspartei “sich ein für alle Mal von der SED-Vergangenheit zu befreien, indem man die Wahl frei gibt.” (also indem den Linksparteiabgeordneten im dritten Wahlgang frei gestellt wird, wie sie abstimmen)

So einfach ist es also sich von der SED-Vergangenheit zu befreien?

Hans Peter Haustein (FDP) kann sich überhaupt nicht vorstellen, das die Linke den “Chef-Inquisator Gauck bei der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit” zum BP-Amt verhilft und Gauck dann die Wahl auch noch annimmt. Das wäre antagonistisch, das ginge überhaupt nicht.

Lieber Herr Haustein, in der Weimarer Republik hatte sich die Mehrheit im Parlament sogar ihren Henker gewählt. War das nicht auch antagonistisch?

Werner Schulz wiederum meint die Linke würde sich ins Abseits manövrieren, weil sie nicht geschlossen für Gauck stimmen, sondern die Abstimmung frei hält.

Grotesk!

Joachim Poß (SPD) meint sogar, die Linke sei noch nicht in der bundesdeutschen Demokratie angekommen, weil sie nicht offiziell und geschlossen Gauck unterstützt.

Contrary to my expectations, Lena won the Eurovision Song Contest 2010. Congratulations!
That’s why I want to thank all voters of the contest who did not vote for the artists of their home country. You made it happen that many Germans are very happy now because they think they have won the contest.

I watched the finale in a group of 10 persons. The expectations about the result were manifold. Only very few could imagine to find Lena at the first rank finally. But they shared the thrill with Lena. Deep inside they hoped that she will win – sorry, they hoped that they will win (despite the East-European conspiracy).
But can you imagine, I was the only person who gave a vote? It is not possible to vote for the artists of the country you currently stay in. So my co watchers could not vote for Lena, that’s why many of them decided not to vote at all even though they had their favourites besides Lena. It wasn’t about the best performance or the best music, it was about the patriotic act to vote for their home country. How dopey! If all people would think like that, who would win the contest? Nobody, because nobody would vote? Continue Reading »

Wie die meisten Newsletter so blieb auch die E-Mail mit dem Betreff “Wer braucht schon Ballack” vom 18. Mai 2010 im Postfach unbeachtet liegen. Lediglich der Nachrichtenfilter, der die eingehende Post vorsortiert, ordnete diesen OTTO-Newsletter in den entsprechenden Unterordner. Die Mühen, die sich die Newsletter-Redaktion bei diesem Brief machten, blieben von mir wie so oft ignoriert.

Zwei Tage später trudelt jedoch ein neuer OTTO-Newsletter ein.
Der Betreff lautet diesmal: “Entschuldigung an Michael Ballack und alle Fußballfans!” Die ersten Sekunden maß ich auch dieser E-Mail keine besondere Beachtung zu. Aus irgendeinem Grund blieb mein Auge jedoch ungewöhnlich lange an dieser Betreffzeile haften. Moment mal, dachte ich – wofür wird sich da denn entschuldigt!?

Lieber Herr Steinicke,
in unserem letzten Newsletter sind wir mit der Betreffzeile “Wer braucht schon Ballack?” deutlich über das Ziel hinaus geschossen. Einige unter Ihnen waren darüber ziemlich sauer. Continue Reading »

Lena Meyer-Landrut wird Deutschland beim Eurovision Songcontest 2010 vertreten. Da sie in diversen Pressekritiken (z.B. bei zeit.de) hochgelobt und als Favorit gehandelt wurde, war ich über ihren Sieg auch nicht überrascht.

Dennoch frage ich mich was an ihr so besonders ist, dass sie diese Show gewonnen hat? Ihr Aussehen? Sie sieht hübsch aus, ohne Zweifel. Sie ist von dem Typ, in dem sich die Jungs in der Pubertät sicher reihenweise verknallt haben. Von solchen Mädchen gibt es aber mindestens eins in jeder Schulklasse. Etwas Besonderes kann das also nicht sein. Und ich möchte auch nicht leugnen, dass sie sehr gut singen kann. Aber das hat man von den anderen Kandidaten auch gesagt.

Warum also Lena Meyer-Landrut? – die strahlende, bäuerliche Verwaltungsbeamte (wenn man die Bedeutung ihrer Namen frei interpretiert).

Ich meine, sie hat gewonnen, weil sie gerade nichts Besonderes ist. Continue Reading »

Meine Notebookfestplatte liegt im Sterben :( In ihren letzten Atemzügen schlägt sie permanent mit dem Kopf gegen die Wand. Das ist wirklich kein schönes Geräusch. Nur manchmal hat sie noch Lichtblicke…

Höchste Zeit eine neue Festplatte zu bestellen! Und endlich wieder das System neu installieren, juchhe…

Natürlich könnte ich mir auch einen neuen Rechner zulegen. Warum nicht einen netten kleinen Tablet-PC? Oh ja, das wär schon was feines. Wobei ich mich frage, warum auf einem Rechner Nero vorinstalliert ist, wenn der Rechner gar kein optisches Laufwerk hat!? Schon seltsam…

In der Politik gibt es links, rechts und die Mitte? Und nur an den Rändern kann es extrem (extremistisch) sein? Ja das denken viele vorschnell und oberflächlich – leider jedoch weit verbreitet. Eine gute Kritik am Extremismus-Begriff liefert aber Miro Jennerjahn.

Dem Extremismus-Begriff liegt schließlich ein vereinfachendes Links-Rechts-Schema zugrunde, welches die Tatsache verschleiert, dass auch aus der so genannten Mitte extreme politische Einstellungen kommen können. Oder wie soll man beispielsweise einen radikalen Wirtschaftsliberalismus, der von einigen FDP-Anhängern vertreten wird, bezeichnen? Wo wäre eine Kreationistenpartei einzuordnen? Und waren die hart erkämpften Menschenrechte und demokratischen Grundwerte nicht schließlich auch mal extremistische Einstellungen?

Leider fördert der Name der Partei “Die Linke” solch unsägliches Schwarz-Weiß-Denken auch noch. Die Hochstilisierung des “Links sein” fand ich aber noch nie gut…

In November 2009, the people of Switzerland were asked to take a public referendum against the building of minarets in Switzerland. In contrast to the expectations of most people the referendum was accepted. Big question marks followed: What does that mean? Is Switzerland xenophobic? Is Switzerland islamophobic? Why did people vote for the referendum?

To shed some light on such questions a survey was conducted after the referendum. Such surveys are common in Switzerland since 1977. They are called “VOX analysis”. And the recent survey revealed a very interesting finding: The majority of the Swiss Christians voted for the referendum even though the officials from the protestant and catholic churches supported voting against the referendum. The majority of the non-religious people in turn voted against the referendum.

Does this mean that non-religious people are better Christians?

In der Schweiz ist es seit 1977 üblich, dass nach eidgenössischen Volksabstimmungen Bevölkerungsbefragungen durchgeführt werden. Diese Studien werden VOX-Analysen genannt.  Ziel der Befragungen ist es, herauszufinden “wer wie gestimmt hat und welche Motive und Argumente für die Stimmabgabe entscheidend waren.” (UniBern)

So wurde auch nach der Abstimmung zum Minarettverbot eine Befragung durchgeführt. Und siehe da: obwohl laut taz.de die Leitungsgremien der evangelischen und katholischen Kirchen gegen ein Minarettverbot plädierten, stimmten die Christen mehrheitlich dafür. Die religionslosen Schweizer hingegen lehnten ein Minarettverbot mehrheitlich ab. Sicher werden sie das nicht getan haben, weil die Leitungsgremien der Kirchen das sagten, sondern weil sie auf ihre Vernunft hörten. Damit sind sie also mehrheitlich die vernünftigeren Christen ;-)

P.S.: Schaut man sich zusätzlich die Befragungsergebnisse der beiden weiteren Volksentscheide an (Abstimmung über das Kriegsmaterialausfuhrverbot, sowie Abstimmung über die Spezialfinanzierung im Flugverkehr), so könnte man den Eindruck gewinnen, dass die so genannte “Schweizer Mitte” in Wirklichkeit rechts ist. Das Abstimmungsverhalten von rechten und “mittigen” Schweizern unterschied sich nämlich bei allen drei Referenden nicht.

Wieder mal eine Perle in der Analyse der aktuellen politischen Debatten. Lutz Wingert, Professor für Philosophie an der ETH Zürich, schreibt auf zeit.de über Klassenkampf und Armutsdebatte.

Ohne es direkt zu formulieren, so spricht er von undemokratischen und ungerechten Forderungen, wenn reiche Menschen weniger besteuert werden sollen, damit sie mehr spenden können. Der Einsatz dieser Spendengelder würde dann schließlich allein der Bestimmung des Spenders unterliegen. Steuergelder hingegen werden durch demokratisch legitimierte Gremien ausgegeben.

Ebenso zeigt er auf, dass der Lohn, den jemand für seine Arbeit bekommt, kein Indikator für dessen Leistungsbeitrag ist. Andernfalls würde man auf unzulässige Art Markterfolg mit Gerechtigkeit gleichsetzen.

In einer Demokratie müssen die Vertreter der sogenannten Leistungsträger natürlich gern ihre Forderungen aufstellen können. Allerdings muss man diese kapital-autokratischen Bestrebungen nicht auch noch unterstützen, wenn man selbst davon nichts hätte. Nein, man muss ihnen energisch entgegentreten und ihre Fehlanalysen auseinandernehmen.